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wiki:bergwelt

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 Als Geburtsstunde des Alpinismus gilt die Erstbesteigung des 2.087 Meter hohen //Mont Aiguille// in den französischen Westalpen **1492**. Diese wurde gründlich geplant und erforderte besondere Fähigkeiten (Felskletterei) und technische Mittel (Leitern, Seile). Die sechstägige Expedition bedurfte entsprechender Vorbereitung und Logistik (Nahrung, Kleidung, Übernachtung, Aufgabenverteilung ...).\\  Als Geburtsstunde des Alpinismus gilt die Erstbesteigung des 2.087 Meter hohen //Mont Aiguille// in den französischen Westalpen **1492**. Diese wurde gründlich geplant und erforderte besondere Fähigkeiten (Felskletterei) und technische Mittel (Leitern, Seile). Die sechstägige Expedition bedurfte entsprechender Vorbereitung und Logistik (Nahrung, Kleidung, Übernachtung, Aufgabenverteilung ...).\\ 
-Angeordnet wurde sie von ''König Karl VIII.,'' geführt wurde sie von dessen Kammerherrn ''Antoine de Ville'', begleitet von einem Notar, zwei Priestern und mehr als einem halben Dutzend weiterer Begleiter. Es wurden Gipfelkreuze errichtet und es wurde eine Hütte gebaut. Die Leistung der Gruppe wurde nach deren Rückkehr gefeiert ((''Raspaud Michel''\\ //La mise en spectacle de l'alpinisme.//\\ In: Communications, 67, 1998. Le spectacle du sport. S 165-178. [[https://doi.org/10.3406/comm.1998.2023|DOI]] )).\\ Alle wesentlichen Elemente heutiger alpiner Gipfelbegehungen sind darin enthalten ((''Serge Briffaud''\\ //Visions de la montagne et imaginaire politique. L'ascension de 1492 au Mont-Aiguille, et ses traces dans la mémoire collective (1492-1834) //\\ Le Monde alpin et rhodanien. Revue régionale d’ethnologie, 16 (1988) 39–60 [[https://www.persee.fr/doc/mar_0758-4431_1988_num_16_1_1357|Online]] )). Ruhm war ein mögliches Motiv, denn der extrem auffällige Berg galt 1339 als //»roche merveilleuse«// ((Descriptio Castrorum Delphinatus, 1339. Archives départementales de l'Isère: B 3.120, f°128.)) und in der Mitte des [[wiki:reisegenerationen#Ab dem 15. Jahrhundert|15. Jahrhunderts]] machte ''Mathieu Thomassin'' ihn zum »//Mont Inaccessible//« ((Mathieu Thomasssin, Registre Delphinal, mss. Bibliothèque de Grenoble : U.909, f°317)). Dass zwei Priester dabei waren, schützte vor dem Vorwurf der Eitelkeit, des Hochmuts oder gar der Ketzerei und der Notar sicherte das Vorhaben urkundlich.+Angeordnet wurde sie von ''König Karl VIII.,'' geführt wurde sie von dessen Kammerherrn ''Antoine de Ville'', begleitet von einem Notar, zwei Priestern und mehr als einem halben Dutzend weiterer Begleiter. Es wurden Gipfelkreuze errichtet und es wurde eine Hütte gebaut. Die Leistung der Gruppe wurde nach deren Rückkehr gefeiert ((''Raspaud Michel''\\ //La mise en spectacle de l'alpinisme.//\\ In: Communications, 67, 1998. Le spectacle du sport. S 165-178. [[https://doi.org/10.3406/comm.1998.2023|DOI]] )).\\ Alle wesentlichen Elemente heutiger alpiner Gipfelbegehungen sind darin enthalten ((''Serge Briffaud''\\ //Visions de la montagne et imaginaire politique. L'ascension de 1492 au Mont-Aiguille, et ses traces dans la mémoire collective (1492-1834) //\\ Le Monde alpin et rhodanien. Revue régionale d’ethnologie, 16 (1988) 39–60 [[https://www.persee.fr/doc/mar_0758-4431_1988_num_16_1_1357|Online]] )). Ruhm war ein mögliches Motiv, denn der extrem auffällige Berg galt 1339 als //»roche merveilleuse«// ((Descriptio Castrorum Delphinatus, 1339. Archives départementales de l'Isère: B 3.120, f°128.)) und in der Mitte des [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Ab dem 15. Jahrhundert|15. Jahrhunderts]] machte ''Mathieu Thomassin'' ihn zum »//Mont Inaccessible//« ((Mathieu Thomasssin, Registre Delphinal, mss. Bibliothèque de Grenoble : U.909, f°317)). Dass zwei Priester dabei waren, schützte vor dem Vorwurf der Eitelkeit, des Hochmuts oder gar der Ketzerei und der Notar sicherte das Vorhaben urkundlich.
  
 ==== Auf die Berge steigen - Vulcano & Mont Ventoux ==== ==== Auf die Berge steigen - Vulcano & Mont Ventoux ====
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 Ein Reisebericht in Briefform ((//Itinerarium Egeriae//, //Peregrinatio Aetheriae//; [[https://www.ccel.org/m/mcclure/etheria/etheria.htm|englisch]] und [[https://archive.org/details/itinerahierosoly00geye|lateinisch]])) beschreibt die vierjährige Reise der ''Egeria'' ((auch ''Aetheria'', ''Etheria'' aus Nordspanien oder Aquitanien)), die die Bibel als Reiseführer nutzend von 381 bis 384 durch die Länder zwischen Euphrat und Nil reiste und dabei unter anderem vom 16. bis 19. Dezember 383 ((''Paul Devos''\\ //La date du voyage d'Égérie//.\\ Analecta Bollandiana, 85 (1967) 165–194 [[https://doi.org/10.1484/J.ABOL.4.02639|DOI]] )) den //Berg Sinai// bestieg, übernachtend in Klöstern und castras, unterwegs mit [[wiki:wandermoench|Mönchen]] und Militär, mit einheimischen Beduinen (Faraner, Pharaniten) als [[wiki:fuehrer|Führer]], die sich an Zeichen ([[wiki:steinmann|Steinmann]]?) in der Wüste abseits aller Straßen orientierten.\\ Im ersten Kapitel ihres Berichtes beschreibt sie ihre Zeit auf der Sinai-Halbinsel ((1,1 bis 9,7)) und insbesondere den steilen, mühsamen, ganz geraden Aufstieg vom Kloster aus und den Ausblick vom Berg Sinai ((2,6; 3,8 )) über ein Meer aus Bergen bis zum Roten Meer.\\  Ein Reisebericht in Briefform ((//Itinerarium Egeriae//, //Peregrinatio Aetheriae//; [[https://www.ccel.org/m/mcclure/etheria/etheria.htm|englisch]] und [[https://archive.org/details/itinerahierosoly00geye|lateinisch]])) beschreibt die vierjährige Reise der ''Egeria'' ((auch ''Aetheria'', ''Etheria'' aus Nordspanien oder Aquitanien)), die die Bibel als Reiseführer nutzend von 381 bis 384 durch die Länder zwischen Euphrat und Nil reiste und dabei unter anderem vom 16. bis 19. Dezember 383 ((''Paul Devos''\\ //La date du voyage d'Égérie//.\\ Analecta Bollandiana, 85 (1967) 165–194 [[https://doi.org/10.1484/J.ABOL.4.02639|DOI]] )) den //Berg Sinai// bestieg, übernachtend in Klöstern und castras, unterwegs mit [[wiki:wandermoench|Mönchen]] und Militär, mit einheimischen Beduinen (Faraner, Pharaniten) als [[wiki:fuehrer|Führer]], die sich an Zeichen ([[wiki:steinmann|Steinmann]]?) in der Wüste abseits aller Straßen orientierten.\\ Im ersten Kapitel ihres Berichtes beschreibt sie ihre Zeit auf der Sinai-Halbinsel ((1,1 bis 9,7)) und insbesondere den steilen, mühsamen, ganz geraden Aufstieg vom Kloster aus und den Ausblick vom Berg Sinai ((2,6; 3,8 )) über ein Meer aus Bergen bis zum Roten Meer.\\ 
-Heute erreicht man den Gipfel des Dschebel Musa in drei Stunden  vom Katharinenkloster in steilem, geraden Anstieg über die 3750 »Stufen der Qualen« (Siket Sayidna Musa). Das Katharinenkloster am Fuße des //Dschebel Musa// (Mosesberg, 2.285 m), der zweithöchsten Erhebung der Sinaihalbinsel, wurde zwischen 548 und 565 gegründet.\\ Der höchste Berg der Halbinsel mit einer Sicht auf das Rote Meer und den Golf von Eilat mit seinen Inseln ist allerdings der //Dschebel Katrina// (Katharinenberg, 2.637 m), den man vom Katharinenkloster in 5–6 Stunden auf einer Zick-zack-Route ersteigen kann. Es ist nicht bekannt, welcher der beiden Berge mit dem biblischen Berg identisch ist, doch wird dieser seit dem [[wiki:reisegenerationen#Zwischen Mittelalter und Antike|4. Jahrhundert]] mit dem  Dschebel Musa gleichgesetzt, also als Gottesberg Horeb angesehen, auf dem ''Moses'' die //Zehn Gebote Gottes// empfangen hat ((Ex 19,18–20,22)). +Heute erreicht man den Gipfel des Dschebel Musa in drei Stunden  vom Katharinenkloster in steilem, geraden Anstieg über die 3750 »Stufen der Qualen« (Siket Sayidna Musa). Das Katharinenkloster am Fuße des //Dschebel Musa// (Mosesberg, 2.285 m), der zweithöchsten Erhebung der Sinaihalbinsel, wurde zwischen 548 und 565 gegründet.\\ Der höchste Berg der Halbinsel mit einer Sicht auf das Rote Meer und den Golf von Eilat mit seinen Inseln ist allerdings der //Dschebel Katrina// (Katharinenberg, 2.637 m), den man vom Katharinenkloster in 5–6 Stunden auf einer Zick-zack-Route ersteigen kann. Es ist nicht bekannt, welcher der beiden Berge mit dem biblischen Berg identisch ist, doch wird dieser seit dem [[wiki:zeitleiste_reisegenerationen#Zwischen Mittelalter und Antike|4. Jahrhundert]] mit dem  Dschebel Musa gleichgesetzt, also als Gottesberg Horeb angesehen, auf dem ''Moses'' die //Zehn Gebote Gottes// empfangen hat ((Ex 19,18–20,22)). 
  
 Die Evangelisten nutzten denselben Blick im Neuen Testament allerdings dazu, die Versuchung durch den Teufel zu beschreiben: //»8 Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht 9 und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest«// ((Evangelium nach ''Matthäus'', Kap. 4.8-9 und nach ''Lukas'' Kap. 4.5-6)). Und auch die Kreuze auf dem Hügel Golgatha mahnten an Strafe und Tod.\\  Die Evangelisten nutzten denselben Blick im Neuen Testament allerdings dazu, die Versuchung durch den Teufel zu beschreiben: //»8 Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht 9 und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest«// ((Evangelium nach ''Matthäus'', Kap. 4.8-9 und nach ''Lukas'' Kap. 4.5-6)). Und auch die Kreuze auf dem Hügel Golgatha mahnten an Strafe und Tod.\\ 
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