Nicolas & Guillaume Sanson Tabulae geographicae, quibus universa geographia vetus continetur, e multis authoribus collectae
ex Typ. Seminarii, Patavii, 1699
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engl. Collections of Voyages and Travels, Travel Collections; franz. Recueil, Compilations des récits géographiques; niederl. reiscollectie; ital. compilazione storico-geografica, lat. Itinera collecta im Unterschied zu Itinera singularia; Collectiones Peregrinationum
Der nachfolgende Korpus von Reisesammlungen enthält (Januar 2026) rund 270 Werke mit rund 3.100 dazugehörigen Bänden.
Die Tabelle zeigt die Länder in der Reihenfolge des erstmaligen zeitlichen Auftretens eines entsprechenden Druckortes mit allen Bänden. Reisesammlungen haben ihre Wurzeln jedoch nicht allein am Ort des Druckes, sondern in der Herkunft und am Wirkungsort des Auftraggebers und des Herausgebers, während die Sprache ein Hinweis auf das Zielpublikum gibt. Im Hintergrund wirkt zudem die Vernetzung der Drucker, mit denen sich die Drucktechnik von Deutschland aus in Europa verbreitete.
Nur ausnahmsweise wurden unberücksichtigt: unterschiedliche Ausgaben, Parallelausgaben, Ausgaben für die Jugend, verschiedene Druckorte, weitere Auflagen und Raubdrucke.
Wegen des Umfangs sind die Reisesammlungen auf vier Unterseiten nach Jahrhunderten verteilt; die umfangreichsten Titelverzeichnisse sind auf eigenen Seiten ausgelagert.
| Zeitleisten der Reisesammlungen im … | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| ab | 16. | 17. | 18. | 19. | ||
| Reiseanleitungen im | 16. | 17. | 18. | 19. | ||
| Unterwegs im | 16. | 17. | 18. | 19. | Jahrhundert | |
| n (Titel) | 22 | 34 | 120 | 102 | ||
| n (Bände) | 85 | 89 | 969 | 1966 | ||
| Italien | 1504 | 4 | 2 | 2 | ||
| Portugal | 1506 | 3 | 1 | |||
| Deutschland | 1508 | 7 | 5 | 47 | 42 | |
| Schweiz | 1532 | 1 | 1 | 1 | ||
| England | 1555 | 3 | 7 | 36 | 16 | |
| Frankreich | 1556 | 1 | 6 | 15 | 19 | |
| Philippinen | 1584 | 1 | ||||
| Niederlande | 1598 | 1 | 11 | 7 | 5 | |
| Spanien | 1601 | 2 | 2 | 1 | ||
| Schweden | 1667 | 1 | 2 | 5 | ||
| Dänemark | 1749 | 4 | 1 | |||
| Rußland | 1755 | 1 | ||||
| Irland | 1759 | 1 | 1 | |||
| Schottland | 1766 | 1 | 1 | |||
| Tschechien | 1784 | 1 | 2 | |||
| USA | 1787 | 1 | ||||
| Österreich | 1800 | 4 | ||||
| China | 1877 | 1 | ||||
→ Synopse der Zeitleisten und Literaturlisten zu Reiseanleitungen, Reisesammlungen und Itineraren
Reisende bringen Dinge zurück und Geschichten; die einen werden ausgestellt (→ Liste der Ausstellungen), wenn sie sehenswert sind, die anderen gedruckt, wenn sie lesenswert sind. Aus der Masse des Geschriebenen und Gedruckten heben sich solche Inhalte ab, die besonders ausgewählt wurden und erhalten Relevanz zu dieser Zeit und und zur gewählten Absicht.
Reisesammlungen werden hier aufgefasst als gedruckte Reiseliteratur, deren Autoren erkennbar sind und die mindestens zusammengestellt, oft bearbeitet, manchmal mit Anmerkungen versehen herausgegeben sind. Im Unterschied zu anderen Formen der Wissensspeicherung sind ihre Merkmale:
Reisesammlungen in Form von Manuskripten können durchaus in Archiven zu finden sein, weil sie eben nicht öffentlich werden sollten, etwa
Als Teil eines soziotechnischen Handlungssystems haben sie eine doppelte Funktion.
Reisesammlungen trugen dazu bei, zahlreiche individuelle Reiseerfahrungen in ein umfassenderes Weltbild zu transformieren und öffentlich zu verbreiten, siehe Das Bild der Reise.
Sie stehen auch in einem Verhältnis zu Reiseanleitungen (Apodemiken), da die ausgewählten Reisen und damit das Verhalten dieser Reisenden zum einen vorbildhaft erscheinen, zum anderen aber auch zum Nachdenken über deren Art des Reisens anregen, und damit zu Optimierungen und allgemein nützlichen Verfahren.
Formal stehen sie den strengen Bibliographien zur Reiseliteratur diametral gegenüber, indem sie die Inhalte in den Vordergrund stellen und bewerten.
Das Entstehen einer gedruckten Reisesammlung setzt voraus:
Die Verarbeitung des Rohmaterials erfordert zuerst eine Selektion, also Kriterien hinsichtlich der Relevanz und der Neuheit und eventuell hinsichtlich des Unterhaltungswertes. Dieser Verarbeitungsprozess ist weitgehend intransparent. Die dazu nötigen Funktionen erfordern (oft in Personalunion) die Eigenschaften von:
Herausgeber von Reisesammlungen mussten sich mehr oder weniger mit ihren Vorläufern und Konkurrenten auseinandersetzen und haben ihre Ansichten manches Mal im Vorwort dargelegt, dabei meist betonend, was sie besser machen würden. Im Vorwort zu den Reisesammlungen wird mehr oder weniger deutlich formuliert, welche Interessen die Herausgeber dabei verfolgen und welche Kriterien sie zugrunde legten, siehe beispielhaft Knox 1767 sowie von Green 1745 und Kerr 1811 (Band 18: 1824 William Stevenson). Dadurch erlauben die Reisesammlungen einen zeittypischen Blick auf die Rezeption der Reisen.
Die gedruckten Reisesammlungen richteten sich zunächst an ein elitäres Publikum mit Geld und Weitblick, boten faktenbasierte und nutzenorienierte Inhalte. Im Laufe der Zeit differenzierten sich die Zielgruppen:
de Bry die Texte mit zahlreichen Kupferstichen, die bestimmte Vorstellungen verbreiteten.Motsch weist darauf hin, dass in der Phase ab dem 16. Jahrhundert der Wissenstransfer im Vordergrund stand, erkennbar an der häufigen Verwendung von 'Relation' und 'account' im Titel der Berichte. Das fesselte alle Leser, weil unentwegt Neues und Unerhörtes geboten wurde. Die Sensationen wurden jedoch geringer. Im 18. Jahrhundert fanden 'travel relations' ihr Publikum zunehmend in Institutionen mit Bezug auf Geographie, Botanik, Ethnologie usw. Der nicht fachorientierte Teil der Leserschaft favorisierte nun zunehmend realistische 'travel literature'.Motsch, AndreasJoachim Heinrich Campe, 1746−1818
Reisesammlungen speicherten geographisches Wissen, bevor es eine geographische Wissenschaft gab. Solche Speicher gab es vor dem Buchdruck in Form von Land- und Seekarten, Portolankarten, Periploi, Itineraren. Auch die mittelalterlichen Sammelcodices (wie das kastilische Libro del conosçimiento de todos los rregnos et tierras … oder das Speculum historiale als Teil des Speculum maius 2) von Vinzenz von Beauvais im 13. Jahrhundert) verarbeiteten geographisches Wissen, benannten jedoch selten die Quellen 3). Geographisches Wissen zu erfassen war bereits die Aufgabe der Bematisten in der griechischen Antike, es zu sammeln soll bereits Aufgabe der Bibliothek von Alexandria gewesen sein und auch die antiken Geographen und Historiker (Herodot, Strabon …) beriefen sich auf Berichte von Reisenden und verarbeiteten deren Wissen.
Das Reisen wurde ab dem 17. Jahrhundert zur Methode der Geographie, des Entdeckens und Erforschens. Damit setzte langsam die Unterscheidung zwischen Unterhaltung und Wissenschaft ein, zwischen Laien- und Fachpublikum:
Giambattista della Porta (1535–1615) in Neapel die Academia Secretorum Naturae (ital. Accademia dei Segreti) als eine der frühesten naturwissenschaftlichen Akademien in Europa. Er selbst reiste 1563–1566 durch Italien, Frankreich, Spanien und suchte in Bibliotheken und im Gespräch mit Gelehrten und Künstlern technisches und naturwissenschaftliches Wissen. Dieses wurde später in seiner Akademie experimentell überprüft. Die Inquisition verbot diese Akademie 1578.Vincenzo Coronelli (1650–1718) die Accademia Cosmografica degli Argonauti, die als erste geographische Gesellschaft gilt.Charles de Brosse, Autor der Histoire des navigations aux Terres Australes (1756) schlug als erster vor, Wissenschaftler auf Entdeckungsreisen mitzunehmen.Anton Friedrich Büsching in Hamburg, später Halle, 1767−1788, 22 Bände.Hohmann, JosephSir John Banks in London die Association for promoting the Discovery of the Interior Parts of Africa, kurz: African Association. Diese war eine Interessengesellschaft, denn Mitglieder zahlten Beiträge, damit sie die Expeditionsergebnisse erhielten; kommuniziert wurde mittels Briefverkehr.Lejeune, DominiqueCarl Ritter als erstem Vorsitzenden dieser Gelehrtengesellschaft. Die Erde (seit 1833) ist die älteste noch erscheinende Fachzeitschrift für Geographie der Erde. Den engen Zusammenhang der frühen Reisesammlungen (Hakluyt, de Bry, Hulsius …) mit der europäischen Expansion und den kolonialen Ideen beschreibt:
Simon Karstens
Eine umfassende Untersuchung dazu scheint es nicht zu geben, siehe den Übersichtsartikel von Goldman (2025), Ansätze finden sich bei:
→ Literatur zu einzelnen Sammlungen siehe in den Zeitleisten der Reisesammlungen
→ Quellen und thematisch übergreifende Literatur: Literaturliste Reisesammlungen
Nicolas & Guillaume Sanson Johannis de Plano Carpini und das Itinerarium Simonis de Sancto Quintino Ridder, KlausBaumgärtner, I.